Der englische Profifußball verdient nicht nur am Ticketverkauf. Internationale Medienrechte finanzieren zentrale Zahlungen der Liga an ihre Mitglieder. Die Ligagesellschaft und die 20 Vereine bilanzieren jedoch getrennt. Ihre Umsätze einfach zu addieren, würde Geldströme doppelt zählen.
Im Geschäftsjahr bis Juli 2025 nahm die Ligaorganisation 3,655.9 million GBP (4,820.3 million USD) ein. Deloitte beziffert die Erlöse der 20 Teilnehmer von 2024/25 auf 6.8 billion GBP (9.0 billion USD), umgerechnet zum durchschnittlichen Wechselkurs 2025 etwa 295 billion THB (9.0 billion USD). Dieser Wert bezeichnet weder Steuereinnahmen des Staates noch allein die Einnahmen der Liga. Entscheidend ist, wer welche Erlöse erwirtschaftet und welcher Teil tatsächlich steuerpflichtige Aktivität darstellt.
Ligaorganisation und Vereine führen getrennte Rechnungen
Die Liga vermarktet inländische und internationale Übertragungsrechte sowie zentrale Sponsorenrechte, verteilt Erlöse an ihre Mitglieder und unterstützt den Fußball außerhalb der höchsten Spielklasse. Die Vereine verbuchen diese Ausschüttungen neben Eintrittsgeldern, Werbung, Merchandising und Europapokal-Einnahmen wiederum als eigene Umsätze.
Die Football Association Premier League Limited wies zum 31. Juli 2025 Umsätze von 3,655.9 million GBP (4,820.3 million USD) aus. Das internationale TV-Geschäft erbrachte vor Währungsanpassungen 1,851.4 million GBP (2,441.3 million USD). Unter Umsatzkosten ausgewiesene Zahlungen an Mitgliedsvereine beliefen sich auf 2,817.6 million GBP (3,715.0 million USD). Addiert man diese weitergereichten Gelder ein zweites Mal bei den Vereinen, entsteht eine Doppelzählung, keine zusätzliche wirtschaftliche Wertschöpfung.
Fernsehgelder tragen das System, doch nicht alle Klubs profitieren gleich
Deloitte nennt für 2024/25 Fernsehumsätze der Vereine von rund 3.4 billion GBP (4.5 billion USD), kommerzielle Erlöse von 2.4 billion GBP (3.2 billion USD) und erstmals Spieltagserlöse von mehr als 1.0 billion GBP (1.3 billion USD). Sponsoring und Vermarktung wuchsen um 13%, die TV-Erlöse lediglich um 2%. Dies sind Positionen der Vereinsbilanzen, nicht unmittelbar die Einnahmen aus dem zentralen Verkauf der Ligarechte.
Für kleinere Klubs sichern zentrale TV-Zahlungen eine wichtige Basis. Liverpool, Arsenal und Manchester United vermarkten ihre weltweite Anhängerschaft zusätzlich über Sponsoren und Fanartikel. Der Spieltagsumsatz hängt von Stadiongröße, Ticketpreisen, Hospitality und zusätzlichen Heimspielen ab. Die Big Six vereinten 73% der kommerziellen Einnahmen auf sich. Gleiche Basisausschüttungen beseitigen diese Marktunterschiede nicht.
Der Gesamtwert mehrjähriger TV-Verträge fließt nicht in einem Jahr zu. Auch Gewinne aus dem Verkauf von Spielerregistrierungsrechten sind vom operativen Umsatz zu unterscheiden. Matchday Finance schätzt die neuen nationalen und internationalen TV-Verträge auf annualisiert 3.84 billion GBP (5.18 billion USD). Diese Vertragsschätzung darf nicht zu den von Deloitte für 2024/25 gemessenen TV-Einnahmen von 3.4 billion GBP (4.5 billion USD) addiert werden.
Nach welchen Regeln werden die zentralen Gelder verteilt?
Für britische Inlandsrechte gilt laut Premier League die Formel 50:25:25. Eine Hälfte wird gleich verteilt, ein Viertel nach Tabellenplatz und ein weiteres Viertel nach der Zahl der für britische Liveübertragungen ausgewählten Spiele. Für alle Einnahmearten zusammen gilt diese Formel nicht. Auslandsrechte enthalten gleiche Basisanteile und einen leistungsabhängigen Aufschlag mit begrenzter Spreizung; zentrale kommerzielle Erlöse haben ebenfalls einen Gleichverteilungsanteil.
Die Platzierungsprämie ist damit nur ein Baustein. Nach Berechnungen von The Athletic anhand von Vereinsinformationen überstiegen die zentralen Ausschüttungen 2025/26 insgesamt 3.0 billion GBP (4.05 billion USD), gegenüber etwa 2.8 billion GBP (3.78 billion USD) zuvor. Die folgende Übersicht zeigt Schätzungen für die damaligen 20 Teilnehmer, keine offiziell bestätigten Endzahlungen und weder Gesamtumsatz noch Nettogewinn.
| Platz 2025/26 | Verein | Geschätzte Liga-Ausschüttung |
|---|---|---|
| 1 | Arsenal | 198.7 million GBP (268.1 million USD) |
| 2 | Manchester City | 192.5 million GBP (259.8 million USD) |
| 3 | Manchester United | 191.5 million GBP (258.4 million USD) |
| 4 | Aston Villa | 182.6 million GBP (246.4 million USD) |
| 5 | Liverpool | 181.8 million GBP (245.3 million USD) |
| 6 | AFC Bournemouth | 170.5 million GBP (230.1 million USD) |
| 7 | Sunderland | 168.2 million GBP (227.0 million USD) |
| 8 | Brighton & Hove Albion | 161.6 million GBP (218.1 million USD) |
| 9 | Brentford | 161.5 million GBP (217.9 million USD) |
| 10 | Chelsea | 162.6 million GBP (219.4 million USD) |
| 11 | Fulham | 155.2 million GBP (209.4 million USD) |
| 12 | Newcastle United | 154.5 million GBP (208.5 million USD) |
| 13 | Everton | 147.7 million GBP (199.3 million USD) |
| 14 | Leeds United | 144.5 million GBP (195.0 million USD) |
| 15 | Crystal Palace | 137.5 million GBP (185.6 million USD) |
| 16 | Nottingham Forest | 137.1 million GBP (185.0 million USD) |
| 17 | Tottenham Hotspur | 135.8 million GBP (183.3 million USD) |
| 18 | West Ham United | 128.6 million GBP (173.5 million USD) |
| 19 | Burnley | 118.1 million GBP (159.4 million USD) |
| 20 | Wolverhampton Wanderers | 117.7 million GBP (158.8 million USD) |
Chelsea wurde Zehnter, soll mit 162.6 million GBP (219.4 million USD) aber etwas mehr erhalten haben als Brighton auf Platz acht mit 161.6 million GBP (218.1 million USD). TV-Auswahl und andere Komponenten erklären den Unterschied. West Ham United, Burnley und Wolverhampton Wanderers gehören zur Tabelle von 2025/26, nicht zum aktuellen Teilnehmerfeld 2026/27.
Die Umsätze der 20 heutigen Premier-League-Vereine
Die Mitgliedsliste entspricht dem Stand vom 15. Oktober 2026, die Finanzdaten dagegen dem Geschäftsjahr 2024/25. Vollständige Abschlüsse für 2025/26 lagen noch nicht vor. Die gerundeten, von PSRwatch aus Unternehmensmeldungen zusammengetragenen Werte sind keine Prognose für 2026/27. Coventry City, Hull City, Leeds United und Sunderland spielten im Basisjahr in der Championship. Ipswich Town war 2024/25 Erstligist, stieg ab und anschließend wieder auf.
| Verein 2026/27 | Umsatz 2024/25 | Liga im Basisjahr |
|---|---|---|
| AFC Bournemouth | 182.0 million GBP (240.0 million USD) | Premier League |
| Arsenal | 691.0 million GBP (911.1 million USD) | Premier League |
| Aston Villa | 378.0 million GBP (498.4 million USD) | Premier League |
| Brentford | 173.1 million GBP (228.2 million USD) | Premier League |
| Brighton & Hove Albion | 221.0 million GBP (291.4 million USD) | Premier League |
| Chelsea | 491.0 million GBP (647.4 million USD) | Premier League |
| Coventry City | 34.2 million GBP (45.1 million USD) | Championship |
| Crystal Palace | 195.3 million GBP (257.5 million USD) | Premier League |
| Everton | 196.7 million GBP (259.3 million USD) | Premier League |
| Fulham | 194.8 million GBP (256.8 million USD) | Premier League |
| Hull City | 25.8 million GBP (34.0 million USD) | Championship |
| Ipswich Town | 155.4 million GBP (204.9 million USD) | Premier League |
| Leeds United | 137.0 million GBP (180.6 million USD) | Championship |
| Liverpool | 703.0 million GBP (926.9 million USD) | Premier League |
| Manchester City | 694.0 million GBP (915.0 million USD) | Premier League |
| Manchester United | 666.5 million GBP (878.8 million USD) | Premier League |
| Newcastle United | 335.3 million GBP (442.1 million USD) | Premier League |
| Nottingham Forest | 221.8 million GBP (292.4 million USD) | Premier League |
| Sunderland | 39.4 million GBP (51.9 million USD) | Championship |
| Tottenham Hotspur | 565.0 million GBP (745.0 million USD) | Premier League |
Die USD-Vergleiche beruhen auf Durchschnittskursen der Bank of England: 2025 auf 1.3185 USD je GBP für die Abschlüsse 2024/25, Mai 2026 auf 1.3495 für geschätzte Ligaausschüttungen und 2024 auf 1.2783 für die EY-Studie. Es sind Vergleichswerte, nicht die von Klubs gebuchten Wechselkurse. Unterschiedliche Bilanzstichtage und Konzernabgrenzungen machen exakte Rankings schwierig. Die Summe der heutigen 20 Klubs ist nicht Deloittes Gesamterlös der 20 damaligen Teilnehmer.
Umsatzwachstum garantiert keinen Gewinn
Löhne, Spielbetrieb, Stadien und Abschreibungen auf Spielerregistrierungsrechte belasten die Rechnung. Transfers können über Vertragslaufzeiten abgeschrieben werden, während Zahlungen zeitlich anders fließen. Hohe Erlöse sagen deshalb wenig über Gewinn und Liquidität aus.

Deloitte ermittelte für die 2024/25 teilnehmenden Klubs Lohnkosten von 4.4 billion GBP (5.8 billion USD), rund 65% des Umsatzes. Zugleich stand vor Steuern ein gemeinsamer Verlust von 948.0 million GBP (1,249.9 million USD). Für eine solide Bewertung zählen auch Lohnquote, Schulden, Spielerabschreibungen und die Stabilität der Vermarktungserlöse.
Woher stammen die Steuereinnahmen des Vereinigten Königreichs?
Die Steuerwirkung des Fußballs geht weit über die Körperschaftsteuer der Vereine hinaus.
- Auf Gehälter von Spielern, Trainern und Beschäftigten können Einkommensteuer und National-Insurance-Beiträge entfallen, einschließlich Arbeitgeberbeiträgen.
- Tickets, Fanartikel und bestimmte Dienstleistungen unterliegen je nach Fall der Mehrwertsteuer.
- Die britische Körperschaftsteuer richtet sich nach dem steuerpflichtigen Gewinn, nicht dem Umsatz. Der Hauptsatz beträgt 2026 für entsprechende Gewinne 25%; Ausnahmen und Erleichterungen sind zu beachten.
- Hotels, Restaurants, Verkehrsbetriebe, Medienunternehmen und Zulieferer haben eigene steuerpflichtige Aktivitäten. Ihre indirekte Wirkung darf nur innerhalb einer sauber abgegrenzten Wirkungsanalyse einbezogen werden.
Auch ein bilanziell verlustreicher Verein kann Lohn- und Verbrauchsteuern auslösen. Eine Multiplikation des Umsatzes mit 25% wäre sachlich falsch.
Was misst die Steuerschätzung von EY?
EY schätzt den Steuerbeitrag der Premier League und ihrer Vereine für 2023/24 auf 4.4 billion GBP (5.6 billion USD), davon 2.1 billion GBP (2.7 billion USD) im Zusammenhang mit Spielern und Beschäftigten. Die Studie nennt außerdem 9.8 billion GBP (12.5 billion USD) Bruttowertschöpfung und mehr als 100.000 unterstützte Arbeitsplätze.
Dies sind modellierte Wirkungen im gesamten Vereinigten Königreich, keine direkt ausgewiesene Körperschaftsteuer der 20 Vereine für 2026/27 und auch keine England-spezifische Zahlung. Wegen der abweichenden Untersuchungszeiträume darf man den EY-Betrag nicht durch die Clubumsätze von 2024/25 teilen und als effektiven Steuersatz bezeichnen.
Kann die Liga weiter wachsen?
Deloitte erwartet durch neue TV-Verträge und Europapokal-Einnahmen für 2025/26 Umsätze von über 7.0 billion GBP (9.2 billion USD). Das ist eine Prognose und noch kein geprüfter Jahresabschluss. Risiken sind die Zahlungsbereitschaft der Sender, steigende Löhne, Regeln zu Kaderkosten, die Kluft zwischen Groß- und Kleinvereinen und die sportlich bedingte Volatilität der Ausschüttungen.
Höhere Löhne und Konsumausgaben könnten die Steuerbasis verbreitern. Die Staatseinnahmen wachsen jedoch nicht automatisch im Takt der TV-Verträge, weil Gewinne, Unternehmensstrukturen und Steuervergünstigungen mitentscheiden.
Kernaussage Die Premier League verkauft weltweit die Attraktivität des englischen Fußballs. Doch Ligagesellschaftsumsatz, Vereinsumsatz, Gewinn und staatliche Steuererlöse sind unterschiedliche Kennzahlen. Nachhaltiger Erfolg verlangt profitable Geschäfte und reale Steuerbasen statt lediglich höherer Umsätze.
Rückblick Drei Fragen müssen getrennt bleiben: Wie viel nehmen die Vereine ein? Was bleibt nach Kosten als Gewinn? Welche Steuern und Arbeitsplätze unterstützt das Fußballgeschäft im Vereinigten Königreich? Eine seriöse Analyse vermischt diese Größen nicht.



